Die Sache mit den Cuxhavener Nachrichten

Vom Mitbewohner werde ich immer als Heimatpatrioten bezeichnet. Ob das der richtige Begriff ist weiß ich nicht. Aber ich versuche meiner Heimat schon nah zu sein. Um auf den laufenden zu bleiben lese ich Onlineartikel der Cuxhavener Nachrichten[1]. Zumindest soweit ich es ohne bis vor kurzem, ohne Geld ausgeben zu müssen, konnte.
Die Cuxhavener Nachrichten sind auch vorbildlich in meinem RSS-Reader abonniert. Schließlich will ich nichts verpassen.

Um so mehr freute ich mich, als ich vor knapp einem Monat eine E-Mail von ihrer Redaktion bekam.
CN E-Mail Initial

Da ich mich sehr geehrt fühlte und das nicht beantworten von E-Mails unhöflich ist, wurde schnell eine Antwort verfasst.
CN E-Mail Antwort

Eine Reaktion seitens der Redaktion gab es nicht. Sie freuten sich wohl nicht so sehr über meine Antwort wie ich mich über ihre E-Mail. Der Monat verging und ich vergaß diese Anfrage.

Gestern veröffentlichte die Website der CN (Cuxhavener Nachrichten) einen Artikel, der mein Aufmerksamkeit erregte und meine Erinnerung an diese längst vergessene E-Mail erweckte. „Von schrill bis still: Lesenswerte Blogs“

Ohne den Artikel im RSS-Reader zu lesen öffnete ich die Website der CN. Doch was ich sah gefiel mir weniger[2]. Ich solle Geld ausgeben um etwas im Internet zu lesen. Welch absurde Idee!
CN Artikel Bezahlen

Aber ich bin ja neugierig. Also bezahlte ich für einen 24 Stunden Zugang 99 Cent. +grml+

Und Tatsächlich, sie haben über mich geschrieben.
\o/
Jetzt kann ich mir einbilden Weltbekannt zu sein. Ich bin quasi ein Star, eine Berühmtheit oder auch ein C-Promi.

Doch was haben sie denn über mich geschrieben? Darf ich das hier überhaupt zeigen? Schließlich habe ich Geld bezahlt und es ist nicht öffentlich Zugänglich. Tatsächlich maße ich mir an, dass ich das darf! Doch dazu später mehr.

Was wurde über mich geschrieben? Im Abstract wird schon etwas angedeutet. Nennt man es überhaupt Abstract? Bin ich zu sehr von wissenschaftlichen Artikeln beeinflusst? Egal. Der Text, der neugierig machen soll. Das steht da drin:

KREIS CUXHAVEN. Früher waren Internet-Blogs meist so langweilig wie von Hand geschriebene Tagebücher – nur ein bisschen bunter. Heute sprudeln diese Web-Seiten vor witzigen, seltsamen oder abwegigen Ideen aus allen Bereichen des Lebens. Und jeden Tag werden es mehr. „Cuxland Digital“ stellt zehn deutsch- und englischsprachige Blogs vor, die im Jahr 2014 einen Klick lohnen. Und als Bonus-Tipp: einen Studenten-Blog aus Cuxhaven.

Ein Studenten-Blog aus Cuxhaven. Das könnte meiner sein. Aber ich wohne doch nicht in Cuxhaven. Aber ich komme aus Cuxhaven. Und das auch noch als Bonus-Tipp. Das klingt so besonders!

Der letzte Abschnitt widmet sich dann endlich dem „Bonus-Tipp“.

Tienbui.de: Tien Bui, vietnamesischer Informatik-Student aus Cuxhaven, wohnhaft in Hamburg, schreibt unter https://tienbui.de über sein Leben, seine Ansichten und seine Erlebnisse. Nicht der Studienalltag, sondern private Dinge stehen im Mittelpunkt seines Web-Tagebuchs: Motorradausflüge, ein Postkartenprojekt, seine Bemühungen, vom Rauchen loszukommen – und natürlich seine Familie. Tien Buis Eltern kamen 1979 als „Boatpeople“ nach Deutschland. Und wie ist er zum Bloggen gekommen? „Es ging wohl damit an, dass ich WordPress ausprobieren wollte. Das war vor fünf Jahren“, sagt Tien Bui, der 2007 an den BBS Cuxhaven sein Abi „gebaut“ hat.

Ich bin mir noch nicht sicher was ich von dem Text halten soll. Ich freue mich! Es wurde über mich berichtet. Es wurde gut recherchiert. Besonders das mit der Postkarte ist schon Ewigkeiten her! Andererseits finde ich das Zitat komisch. „Das war vor fünf Jahren“ habe ich nie geschrieben und wurde durch mein „Das war im April 2009.“ ersetzt. Im Kontrast dazu wurde mein Tippfehler gnadenlos übernommen (fing/ging). Auch weiß nicht wie man seinen Abi „bauen“ soll. Naja, vielleicht wird es noch nachträglich geändert, wenn die Redaktion diesen Artikel liest (hint hint hint).

Doch wieso denke ich diesen Ausschnitte hier veröffentlichen zu dürfen? Einerseits weil ich dafür Geld bezahlt habe. Ich darf ja auch einen Zeitungsartikel (aus dem Papierding) ausschneiden, abschreiben und online stellen. Doch darüber lässt sich streiten. Handfester ist die Tatsache, dass der Inhalt doch weltöffentlich Zugänglich ist. Ich hätte also nicht Geld ausgeben müssen um diesen Artikel zu lesen.

Ich erwähnte schon, dass ich den RSS-Feed abonniert habe.[3] Und über diesen werde ich über neue Artikel benachrichtigt. Und eben dieser liefert den ganzen Artikel aus.

CN RSS

Hätte ich den Artikel in meinem RSS-Reader durchgelesen, statt ihn auf der Website lesen zu wollen, hätte ich also einen Euro sparen können.

[1]http://www.cn-online.de/
[2]http://www.cn-online.de/lokales/news/von-schrill-bis-still-lesenswerte-blogs.html
[3]http://www.cn-online.de/?type=221

2 Kommentare

  1. Zum Thema Zitate abändern oder neu erfinden musste ich auch seit meinem Nebenjob in einem Verlag feststellen, dass die Redaktion gerne Leserzitate umschreibt, oder gänzlich neue Inhalte einfügt, damit es gut klingt. Aber trotzdem als Zitat abdruckt. Natürlich ohne Rücksprache mit dem Zitierten. Schade, sowas.

  2. Also wirklich, da war ich gerade vor deinem Blog auf cn Seite und wollte mich etwas über cux informieren und muss nahezu geschockt feststellen, dass bestimmte Artikel „Premium Artikel “ sind!???! Wtf???!!!

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